Lord Robert Baden-Powell

Lord Robert Baden-Powell

Vorgeschichte: Das Leben von Lord Robert Baden-Powell

Um zu verstehen, wie der damals 50jährige Engländer Lord Baden-Powell auf die Idee kam, eine neue Jugendgruppe - die Pfadfinder - ins Leben zu rufen, müssen wir uns Ursprung zuerst ein wenig mit dessen Leben beschäftigen. Da Baden-Powell vor allem Interesse an der Natur hatte, war er in der Schule nicht besonders gut. Als er die Aufnahmeprüfung für College nicht bestand, nahm er an der Prüfung für die Offiziersschule teil. Er erhoffte sich, über das Militär die Welt kennen zu lernen, denn das war sein größter Wunsch. Bei dieser Prüfung war Baden-Powell Zweitbester von sehr vielen Bewerbern. So durfte er sich aussuchen, wo er stationierte werden wollte.

Als erstes wählte er Indien. Dort wunderte er sich über das Verhalten der Engländer. Sie waren sehr eingebildet und beschäftigten sich keineswegs mit den indischen Ureinwohnern.

Die Kinder jedoch waren ohne Vorurteile. Sie verstanden sich auch über die Sprachgrenzen hinweg bestens. Wenn man die weltweite Verständigung aller Menschen erreichen wollte, musste man also bei den Kindern und Jugendlichen anfangen. Ein Gedanke, der Baden-Powell nie mehr verließ. Zum Ende seiner militärischen Karriere war Baden-Powell in Afrika stationiert. Er musste mit  wenigen Soldaten die Stadt  Mafeking gegen eine Überzahl  angreifender Buren verteidigen. Mit viel List und guten Ideen schaffte er es, den Gegnern eine größere Macht vorzutäuschen, so dass sie die Stadt nur belagerten, nicht aber anzugreifen wagte. So gelang es Baden-Powell, die Stadt zu halten, bis er Verstärkung erhielt und die Buren ohne dass ein Schuss gefallen war, abzogen.

In der Zeit in Mafeking sind wohl die wichtigsten Faktoren zusammengekommen, die zur Gründung der Pfadfinder führten. Da nicht genügend Erwachsene da waren, musste Baden-Powell auch Jugendliche einsetzen. Sie verteilten per Fahrrad die Post, verrichteten Botengänge und waren überall dort nützlich, wo sie eingesetzt werden konnten. Dies gab Baden-Powell eine damals revolutionäre Erkenntnis: Jugendliche sind nicht nur dazu da so schnell wie möglich erwachsen zu werden, sie haben ihre eigenen Stärken und können durchaus für viele Dinge eingesetzt werden. Sie können Verantwortung tragen und sie machen dies, wenn es von anderen anerkannt wird, gerne. Die Medien waren begeistert von diesem listigen Mann. Er wurde zum Volkshelden - die Jugendlichen lasen mit Begeisterung sein Buch "Aids for scouting" (Tricks für Späher), das er eigentlich für Soldaten geschrieben hatte. Als Baden-Powell in Mafeking von diesem Erfolg erfuhr, war er eigentlich entsetzt - dieses Buch war nicht für Jugendliche geschrieben. Er bat den König um Beurlaubung und schrieb ein neues Buch - "Scouting for boys". Eigentlich sollte dieses neue Buch lediglich eine Anregung sein für bestehende Jugendgruppen. Doch die Ideen waren zu neu und Baden-Powell zu berühmt. Mit dem Buch entstand eine Jugendbewegung - die Boy-Scouts (Pfadfinder).

Erziehungsideale, Grundlagen und Methodik:

Das System der kleinen Gruppe - Erziehung zur Selbständigkeit

Baden-Powells Idee war es, die Jugendlichen in kleine Gruppen (Sippen) von fünf bis sieben Jungen einzuteilen, die von einem unwesentlich Älteren angeführt werden. Jeder in der Sippe bekam eine Aufgabe (zum Beispiel Koch, Fahrten-, Schatzmeister etc.), für die er alleine die Verantwortung hatte. So wurde das Verantwortungsbewußtsein jedes einzelnen gestärkt und die Wichtigkeit jedes Gruppenmitgliedes unterstrichen.

Internationalität - die Erziehung zum Frieden

Pfadfinder sollen die Welt bereisen und - wo immer es geht - den Kontakt zu ausländischen Jugendlichen suchen. Durch gemeinsame Erlebnisse werden Vorurteile abgebaut. Deswegen führte Baden-Powell schon 1920 das erste Jamboree (Weltpfadfindertreffen) durch.

Einheitliche Kleidung zum Abbau von Klassenschranken

Auch das war beinahe revolutionär. Bei Baden-Powell Boy-Scouts sollten Jungen aus allen Bevölkerungsschichten mitmachen. Um die Standesunterschiede nicht allzu offensichtlich zu machen, trugen alle Jungen ein khakifarbenes Hemd, ein Halstuch und dazu eine passende Hose. Auch sollte die Kluft ein Symbol für die Pfadfinder sein. Ein Zeichen der Zusammengehörigkeit über Grenzen und Religionen hinaus. Auch heute noch tragen alle Pfadfinder auf der ganzen Welt eine Kluft, doch die Farben weichen heute voneinander ab.

Leben in und mit der Natur - bewusst leben lernen - Umweltschutz

In Zelten übernachten als Freizeitbeschäftigung gab es Anfang des letzten Jahrhunderts noch nicht. Die Pfadfinder waren die ersten, die das taten. Baden-Powell wollte, dass die Jugendlichen die Welt mit allen Sinnen wahrnehmen, und die Natur erschien ihm als optimales Übungsfeld dafür: Pflanzen bestimmen, Spuren lesen, auf Geräusche achten, Gerüche wahrnehmen, nachts den Weg ertasten ...

Noch etwas hat ihm am Leben in der Natur gefallen: Beim Erleben der Abenteuer stoßen die Jugendlichen immer wieder auf ihre eigenen körperlichen und seelischen Grenzen und lernen sich dadurch besser kennen. Was wir kennen und lieben, wollen wir auch erhalten. Baden-Powell erkannte dies schon Anfang des letzten Jahrhunderts und trat offen für Umweltschutz ein. (Der Pfadfinder schützt Pflanzen und Tiere)

Der Pfadfinder steht zu seinem Glauben und achtet den Glauben anderer

Baden-Powell war ein überzeugter Christ. Daher sind viele christlichen Ideen Bestandteil des Pfadfindertums: z.B. "Der Größere schützt den Kleineren" oder "Versucht die Welt ein bisschen besser zu hinterlassen, als ihr sie vorgefunden habt"

Learning by doing

Jugendliche sollen selbst durch Erleben lernen. Jugendliche sollen auch eigene Erfahrungen machen können. Baden-Powell war überzeugt, dass so Erlerntes den bleibensten Eindruck macht. Diese Erziehungsideale sind für uns bis heute gleich geblieben. Auch in der Methodik stimmen wir in den meisten Punkten mit Baden-Powell überein.

Geschichte und Entwicklung:

Schnell bildeten sich überall auf der Welt Pfadfindergruppen. Lediglich in totalitären Staaten wurden diese verboten. 1911 erschienen erstmals Pfadfinderinnen auf dem Lager. Baden-Powell, der zunächst nicht richtig wusste, wie er mit dieser Gruppe umgehen sollte, bat seine Frau um Unterstützung. Diese war die erste Pfadfinderführerin. Etwas später kamen auch kleine Kinder dazu. Auch sie wollten bei den Scouts mitmachen. Baden-Powell suchte nach einer Spielidee für diese Kinder. Denn er wusste, dass Kinder spielerisch am besten lernen. Im Dschungelbuch von Kipling fand er die geeignete Idee. Noch heute heißen die kleinen Pfadfinder Wölflinge und ihr Gruppenleiter wird Akela genannt. Mit der Zeit gab es auch ältere Pfadfinder - Rover. Für sie schrieb Baden-Powell das Buch "Mit Glück auf die Lebensfahrt". Die beiden Weltkriege waren ein herber Rückschlag für die Pfadfinder und eine große Enttäuschung für Baden-Powell. Trotzdem verbreitete sich die Pfadfinderbewegung sehr schnell überall auf der Welt.

Situation heute:

Durch den Zusammenbruch der kommunistischen Regime, gibt es heute fast überall auf der Welt über 26 Millionen Pfadfinder. Überall wird die Grundlage Baden-Powells auf die Gegebenheiten des Landes angepasst. Immer wieder finden Diskussionen statt, was denn wohl im Sinne Baden-Powell wäre. Doch Baden-Powell war kein Dogmatiker, und so musste sich jede Gruppe für sich den richtigen Pfad suchen.